Braune Kneipen haben in Amsterdam eine lange Tradition. Hier trifft sich jung und alt zum gemeinsamen Trunk und es geht urgemütlich zu. Mischen Sie sich unters Publikum und lassen Sie sich überraschen!
Eine braune Kneipe („bruin café“) ist eine traditionelle holländische Kneipe, die ihren Namen der schummrigen Beleuchtung und der (dunklen) Holzeinrichtung zu danken hat. Hier trifft man sich in gemütlicher Umgebung zum gemeinsamen Bier, Genever oder anderen (alkoholischen und nicht alkoholischen) Getränken. Die holländische „Gezelligheid“ wird dabei groß geschrieben. Es geht freundlich und gemütlich zu, und die Stimmung ist locker und offen. Dabei ist es leicht, mit völlig fremden Menschen ins Gespräch zu kommen.
Die braunen Cafés haben ihren Ursprung Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals richteten Leute ihre Vorderzimmer als Schankstätte ein und verdienten sich damit ein Zusatzeinkommen. In Flandern diente Ende des 19. Jahrhunderts sogar jedes sechste Wohnhaus als Schenkstätte im kleinen Stil. 1966 mussten die „Wohnzimmer-Schenken“ ihre Türen schließen. Bis heute wird ein Arbeitstag oft beim gemeinsamen Bier in der Kneipe abgeschlossen.
Die älteste Kneipe von Amsterdam lässt sich historisch nicht ausfindig machen. Fest steht jedoch, dass die Kneipenkultur zu Beginn des 16. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Wie etwa bei „In ’t Aepjen“ („im Äffchen“) am Zeedijk 1. Hier trafen sich bereits 1519 Seeleute zum gemeinsamen Ess- und Trinkgelage. Da ihre Geldbeutel jedoch oft leer waren, beglichen Sie ihre Rechnung nicht selten mit exotischen Reisemitbringseln wie lebendigen Äffchen. Heute wird zwar nur noch Bargeld akzeptiert, die urige Gemütlichkeit ist jedoch über die Jahrhunderte erhalten geblieben.
Das Essen steht in einem braunen Café nicht im Vordergrund, soviel steht fest. Wer jedoch trotzdem nicht mit leerem Magen sitzen bleiben möchte, kann eine „Bittergarnitur“ bestellen. Eine Auswahl kleiner aber nahrhafter Häppchen wie Käsestückchen, „Ossenworst“ (würzige Amsterdamer Wurst aus rauem Rindfleisch, früher wurde Ochsenfleisch verwendet, daher der Name), Leberwurst und „Bitterballen“. Letztgenanntes sind panierte und knusprig frittierte Fleischkroketten gefüllt mit Rinds- oder Kalbsragout. Dazu wird häufig Senf gereicht. Und „bitter“ ist nicht etwa der Geschmack, sondern das war der Magenbitter, mit dem diese nicht ganz leicht verdaulichen Kneipen-Spezialitäten früher heruntergespült wurden.