Größer könnte der Kontrast wohl kaum sein: die Oude Kerk (Alte Kirche) von Amsterdam befindet sich mitten im Rotlichtviertel der Stadt. Diese besondere Kirche verkörpert mit ihrer Lage und Geschichte den einzigartigen Charakter Amsterdams. Einst als erste Kirche der Stadt erbaut, hat sie über 700 Jahre Stadtgeschichte glanzvoll durchstanden.
Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche von Fischern an der Stelle errichtet, wo sich zuvor bereits eine kleine Holzkirche befand. Über die Jahrhunderte hinweg wurde das Kirchengebäude stets erweitert. Genauso wie viele andere Kirchen in den Niederlanden wurde die Oude Kerk nach der Reformation zur reformierten Kirche, der damaligen Staatsreligion. In den Grabmälern und unter den großen Grabsteinen die den Boden der Kirche bedecken, ruhen bekannte Seefahrerhelden und Leute mit Rang und Namen aus der Geschichte Amsterdams, wie etwa der Organist Jan Sweelinck und die zentrale Figur aus Rembrandts Nachtwache, Frans Banning Cock.
Das ursprüngliche hölzerne Kirchengewölbe mit seinen mittelalterlichen Temperagemälden, die heilige und biblische Szenen darstellen, ist bis heute gut erhalten geblieben. Da die Kirche auf einer Begräbnisstätte errichtet wurde ist der Boden mit schweren Grabsteinen bedeckt. Das Grab von Saskia van Uylenburgh (Grabstein 28k) wird oft besucht. In der Kirche gibt es auch einige Orgeln, worunter die Vater-Müller Orgel, die bis heute bespielt wird. Auch die kunstvollen Holzschnitzereien an den Misericordien (Stützbretter im Chorgestühl) sind sehr sehenswert, wo zudem geistreiche Sprichwörter und Redewendungen angebracht wurden:
“Gapen tegen de oven” (Gegen den Ofen gähnen). Bedeutung: Man soll nicht probieren, Unmögliches zustande zu bringen.
“Das Geld wächst mir nicht auf dem Rücken”.
Die Oude Kerk verfügt über eine sehr gute Akustik, deshalb finden hier auch oft Auftritte bekannter Orchester sowie Orgel- und Chorkonzerte statt. Auch Kunst- und Fotoausstellungen werden hier in regelmäßigen Abständen gezeigt. Zu den bekanntesten Ausstellungen zählt die jährlich stattfindende World Press Fotoausstellung. Besucher können zusammen mit einem Führer den Kirchturm erklimmen und dabei die schöne Sicht auf die Stadt genießen. Dienstags um 14 Uhr und samstags um 16 Uhr erklingt ein Carillon-Konzert. Die Brücke vor der Kirche eignet sich besonders gut, um den charmanten Glockenklängen zuzuhören.
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