Per (gratis) Fähre nach Amsterdam Nord

Wenn Sie Amsterdam besuchen, befinden Sie sich wahrscheinlich auf der Südseite des IJ, wenn Sie zum Beispiel am Hauptbahnhof ankommen. Um nach Amsterdam Nord zu gelangen, können Sie sich an Bord einer der kostenlosen Fähren des GVB (Städtische Verkehrsbetriebe) begeben, die hinter dem Bahnhof (Ausgang 'Noord') ablegen. Diese Fähren fahren tagsüber alle paar Minuten und transportieren Fußgänger, Fahrrad- und Mopedfahrer. Nachts verkehren die Fähren ebenfalls, jedoch weniger regelmäßig.

Die Geschichte des Stadtteils auf der anderen Seite des Wassers

Im heutigen Gebiet des Stadtteils Amsterdam Nord wurde früher Torf gewonnen. Seit 1393 gehört das Gebiet zur Stadt Amsterdam. Es war unter anderem der Standort für die Galgen, aber es befanden sich hier auch Zollstationen für durchfahrende Schiffe. Ab dem 19. Jahrhundert benötigte die Stadt mehr Land für die Schwerindustrie, dazu wurde der Stadtteil Nord weiterentwickelt. Um entsprechende Unterkünfte für die Arbeiter der Schwerindustrie zu schaffen, wurden hier Arbeiterwohnungen gebaut. In der Vorkriegszeit wurden anschließend woonscholen (Wohnschulen) errichtet, um die so genannten 'asozialen' Familien der Stadt auf den rechten Weg zu bringen und diesen mit sozialem Wohnungsbau ein Dach über dem Kopf zu bieten.

Umwandlung in einen kreativen Schmelztiegel

In jüngerer Zeit ist die Schwerindustrie in Amsterdam Nord den kreativen Köpfen der Stadt gewichen, mit Künstlergemeinschaften und jungen, hippen Marken wie MTV, IDTV und Red Bull, die sich hier in den umgebauten ehemaligen Fabriken und Hallen niedergelassen haben. Inzwischen findet man hier, oft in sonniger Lage direkt am Wasser, auch eine bunte Mischung aus angesagten Restaurants, Bars, Hotels und Geschäften. Ein weiterer Anlegeplatz der GVB-Fähren ist die NDSM-Werft. Bis in die 1980er-Jahre befand sich hier eine Schiffswerft, heute gibt es auf dem ehemaligen Werft-Areal Ateliers, junge, kreative Unternehmen, trendige Büroräume, und es finden hier angesagte Events statt.

Kulturelle, architektonische & kulinarische Highlights

Direkt am IJ und quasi genau gegenüber des Hauptbahnhofs liegt das futuristisch anmutende Gebäude des EYE Filmmuseums. Hier befinden sich ein Kino, Museum, Filmarchiv und Café/Restaurant unter einem Dach. Und obwohl das EYE erst im Frühjahr 2012 seine Tore geöffnet hat, gehört es heute bereits zu den modernen Ikonen Amsterdams. Gleich um die Ecke liegt auch das Tolhuistuin – ein weiterer kultureller Hotspot, wo Live-Musikauftritte und andere Events stattfinden und man auch essen kann. Der Blickfänger A'DAM-Turm wird zurzeit ausgebaut und renoviert. Er wird 2015 eröffnet werden, und das Gebäude wird Platz bieten für Bars, Restaurants, Nachtclubs und Unternehmen, die mit Musik zu tun haben.

Ländlicher Charme

In direktem Kontrast zu den innovativen, neuen Unternehmungen stehen die malerischen Häuser und kleinen Dörfer, die sich gut zu Fuß, per Fahrrad oder vom Wasser aus besichtigen lassen. In diesen historischen Dörfern wie z. B. Nieuwendam, Ransdorp und Zunderdorp nördlich von Amsterdam trifft man unter anderem auch auf authentische stolpboerderijen (Gulfhäuser – traditionelle Bauernhäuser mit strohgedeckten Dächern, die einer Käseglocke ähnlich sehen), Holzhäuser, Schleusen und weites Polder-Weideland.

Entwicklung am Ufer des IJ

Aber auch am südlichen Ufer des IJ macht die Entwicklung nicht halt. Zu den Hauptattraktionen zählen hier das spektakuläre Konzerthaus Muziekgebouw aan ’t IJ und der zugehörige, Jazz-orientierte Bimhuis sowie zahlreiche pakhuizen – ehemalige Lagerhäuser aus Backstein, die zu Büroräumen, Werkstätten und kulturellen Veranstaltungsorten umgebaut wurden.